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Twilight & Harry Potter Crossover
 


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 Erste Begegnung Alice & Jasper

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Jasper Hale
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BeitragThema: Erste Begegnung Alice & Jasper    So Feb 26, 2012 3:10 am

Wer spielt?
Alice Cullen & Jasper Hale

Wann wird gespielt?
Vergangenheit; kurz vor und nach der ersten Begegnung in Philadelphia.



Mit menschlicher Geschwindigkeit entfernte Jasper sich von der kleinen Lichtung. Hinter ihm das Lachen seiner Begleiter und einigen fremden Vampiren, denen sie begegnet waren. Es war zum Alltag geworden. Sie durchstreiften den kühlen Norden und trafen auf andere Vampirclans. Meist verbrachten sie einige Tage mit ihnen, tauschten sich über Erlebnisse aus und erzählten Geschichten. Jasper hielt sich stets zurück, denn das einzige, was er zu erzählen hatte, war eine Geschichte über Blut und Mord. Niemand wollte davon hören, nicht einmal Vampire. Aus Höflichkeit und weil Peter und Charlotte, seine beiden Begleiter, sich sonst nur unnötig Sorgen machen würden, blieb er einige Zeit bei der Gruppe, lauschte den Geschichten und ab und zu kam es vor, dass in das Lachen aller einstimmte. Doch dies war eher ein Ding der Seltenheit und schon nach wenigen Stunden fühlte er sich unwohl und bedrängt von den vielen Gefühlen, die auf ihn niederprasselten.
Schon von weitem vernahm er das leise Rauschen der Wellen, welches den See, der in der Nähe lag, verriet. Jasper wusste nicht, woran es lag, doch dieses Rauschen beruhigte ihn. Am liebsten saß er an einen Baum gelehnt, die Sterne über ihm und das glitzern der Wasseroberfläche vor ihm. Auch in diesem Moment ließ er sich in das leicht feuchte Gras gleiten und hörte den kleinen Tierchen zu, die sich von ihm weg bewegten, erschrocken durch die plötzliche Störung. Leise, aber deutlich vernahm er die Stimme seines Freundes, der in gar nicht so weiter Ferne gerade davon erzählte, wie er ihn und Charlotte kennen gelernt hatte.
Die anderen Vampire hörten ihm aufmerksam zu. Selten kam es vor, dass sie auf Vampire trafen, welche die Kämpfe im Süden selbst miterlebt hatten, denn kaum einer überlebte die Schlachten. Den meisten Nomaden, denen sie begegneten waren die Kämpfe bekannt, doch kaum einer wusste, wie es wirklich zuging. Und so waren sie meist erschrocken, wenn sie die Wahrheit erfuhren, doch gleichermaßen neugierig und fasziniert.
Als der blonde Vampir seinen Namen vernahm, blendete er das Gespräch endgültig aus. Die Rolle, die er in dieser Geschichte spielte, war nicht die gute. Ganz im Gegenteil und er war es leid, sie immer und immer wieder zu hören. Er selbst hatte noch nie davon gesprochen, zu groß war der Schmerz, der ihn dabei befiel. Seufzend ließ er sich nach hinten fallen und sah nun in den klaren Nachthimmel. Jedes Mal wenn er so da lag, schlich sich ein Bild in seine Gedanken, dass er wohl niemals ganz vergessen würde.

„Ich liebe dich, Jasper. Das weißt du doch, oder?“ Er war diese Frage gewöhnt und anfangs hatte er mit voller Überzeugung mit „Ja.“ geantwortet. Doch heute musste er darüber nachdenken. Immer öfters beschlichen ihn diese Zweifel, dass Maria ihn belog, doch bisher war er einfach nicht dahinter gekommen, was sie bezwecken wollte. Schon kurz nach seiner Verwandlung, als er nur den Blutdurst kannte, nur das Brennen in seiner Kehle und den Weg, dieses Brennen zu lindern, war sie da gewesen. Während Lucy und Nettie damit beschäftigt waren, die anderen Neugeborenen in Schach zu halten, hatte Maria sich stets nur mit ihm beschäftigt. Später, als Jaspers Denken so weit reichte, dass er zu mehr als Töten fähig war, war Maria immer noch an seiner Seite. Viele Vampire um ihn herum kamen und gingen, doch er blieb.
Wahrscheinlich lag es an seiner, wie Maria es nannte, Gabe. In einem ihrer langen Gespräche hatte er ihr erzählt, dass er fühlte, was andere fühlten und ihre Augen hatten begonnen, zu leuchten. Sie wäre beinahe aufgesprungen vor Freude. In den nächsten Wochen übten sie zwischen den Angriffen, sein Gabe einzusetzen. Er hatte gelernt, sein Gespür zu verfeinern und als ihnen klar wurde, dass er die Gefühle andere sogar beeinflussen konnte, wurde er praktisch befördert.
Von diesem Tag an war er dafür verantwortlich, dass die Neugeborenen sich benahmen und nicht außer Kontrolle gerieten. Und er war gut, das versicherte Maria ihm ständig. Während Lucy und Nettie immer mehr in den Hintergrund gerieten, so wurde er zur wichtigsten Person in Maria’s Leben. Auch das hatte sie ihm oft genug versichert und er glaubte ihr. Sie hatte eine Art an sich, die er nicht beschreiben konnte, doch nie hatte er an ihren Worten gezweifelt. Auch nicht, als sie ihm das erste Mal sagte, dass sie ihn lieben würde. Er hegte ebenfalls Gefühle für sie und schließlich hatte er sich hingegeben.
„Jasper?“ Die sanfte, jedoch verunsicherte Stimme der dunkelhaarigen Frau in seinen Armen holte ihn ins Hier und Jetzt zurück. Was sollte er antworten? Er konnte seine Zweifel nicht äußern, deren war er sich sicher. Er wusste nicht wieso, doch er wusste, dass es nicht gut wäre.
“Natürlich“, antwortete der Vampir. „Und ich liebe dich auch.“ Es war die Standard-Antwort, schon lange eine Gewohnheit, doch es stellte Maria zufrieden. Sofort entspannte sie sich und wieder schwiegen sie.


Das Bild wich der Realität und mit einem Seufzer erhob Jasper sich. Mit einer schnellen Bewegung wischte er sich über die Hose und machte sich schließlich auf den Rückweg zur Lichtung.
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Alice Cullen
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BeitragThema: Re: Erste Begegnung Alice & Jasper    So März 11, 2012 4:54 am

Ein Gesicht, so schön und makellos und doch zerstört, Augen, die so warm blicken konnten, dass sie jedes Eis zum Schmelzen gebracht hätten, und doch in dem Moment so kalt blickten, dass Alice erschauderte. Sie konnte nur sein Gesicht sehen, seine goldblonden Haare, die er mittellang trug, in diesem Moment vom Wind zerzaust. Durch die Kälte seines Blickes konnte sie eine unendliche, tief sitzende Traurigkeit sehen, die ihn wohl Tag und Nacht quälte. Denn so sah er aus: Der Vampir, den sie vor sich sah, stand an seinem ganz persönlichen Abgrund, und Alice wusste; wenn er erst einmal den finalen Schritt getan hatte und hinuntergestürzt war, wäre er verloren.
Und Alice wusste, dass es dumm war, doch er schien ihr wie ein helles Licht am Ende eines langen, dunklen Tunnels. Sie wollte diejenige sein, die ihn davor bewahrte, sich aufzugeben. Es schien ihr das einzige richtige zu sein, das einzige Ziel, auf das sie hinarbeiten konnte. Sie war sich sicher, dass dieser Mann ihr würde helfen können, alles zu verstehen. Er würde sie nicht von sich stoßen, denn er war wie sie. Unter so vielen Leuten und doch alleine, von einer Verzweiflung gepackt, die weh tat und die einem keinen ruhigen Moment ließ. Die Narben, die sie hatte sehen können, ließen sie darauf schließen, dass er mehr erlebt haben musste, als ein normaler Mensch je hätte verkraften können, und da wurde Alice klar, dass ihr Schicksal, ihre Vergangenheit nicht zu kennen, nicht die üblere Situation war. Für sie war das hier die Chance auf ein neues, schönes Leben. Und der Vampir mit den harten, roten Augen schien zu ihrem neuen Leben dazugehören, auf eine beruhigende Art und Weise. Sie wusste, dass sich ihre Wege irgendwann einmal schneiden würden, und sie beschloss, nicht nach ihm zu suchen, denn irgendetwas in ihr sagte ihr, dass er noch nicht dazu bereit war. Doch wenn der Tag ihrer Begegnung gekommen war, würde sie bereit sein, ihm alles zu erklären.
Alice war einen Moment in eine andächtige Starre gefallen, stand so ruhig wie eine Statue da, und sah in den nächtlichen Himmel empor, an dem schwere Regenwolken hingen und einen Großteil der Sterne verdeckten. Sie war so froh, endlich etwas zu haben, an dem sie festhalten konnte, denn die letzten Tage waren schrecklich gewesen. Sie konnte sich an nichts erinnern, außer an ihren Namen und die Schmerzen, die sie – ohne zu wissen, was ihre Vergangenheit war -, wohl als schlimmste aller Schmerzen hätte benennen können. Als sie endlich abgeschwächt waren, konnte sie hören, wie ihr Herz langsam aber sicher zu schlagen aufhörte. Da hatte sie Angst bekommen und gedacht, dass sie nun sterben musste, doch dann war es verstummt und die Schmerzen hatten endgültig aufgehört. Sie konnte die Augen aufschlagen und alle Einzelheiten des Waldes sehen, obwohl es schon dämmerte. Sie konnte den weichen, modrigen Waldboden unter ihr spüren, und als ihre Finger über das Moos strichen, ergab das ein fast schleifendes, schweres Geräusch… als wäre ihre Haut nicht mehr weich und elastisch, sondern aus Stein. Alice war allein gewesen, alles was sie am Körper trug war ein schmutziges, ehemals weißes Nachthemd, und ihre Haare waren kurz und unregelmäßig geschnitten. Das und ihre neuen Fähigkeiten – das schnelle Denken, und die überdurchschnittlich-gut ausgeprägten Sinne – machten ihr Angst. Als sie aufsprang und auf einen schmalen Weg rannte, war sie so schnell, dass die Bäume vor ihren Augen hätten verwischen müssen, doch das taten sie nicht, und das verschreckte sie nur noch mehr. Alice hörte nicht auf zu laufen, bis sie ein kleines Dorf vorfand. Ein paar der Geschäfte waren noch offen und ein paar Menschen waren noch auf den Straßen. Als sie nun weiteres Brennen in ihrem Hals aufkommen spürte, entkam ihrer Kehle ein raues Fauchen, und von einer Sekunde auf die andere legte sich ein Schalter in ihrem Kopf um, von menschlich auf instinktiv und animalisch. Wie von selbst bewegten sich ihre Beine auf das erstbeste Geschäft zu, sie stieß die Tür auf und stürzte sich auf eine Frau, die hinter einer Theke stand.
Die Frau hatte nicht einmal mehr Zeit gehabt, ihren Mund zu einem Schrei zu öffnen, schon hatte sich Alice in ihrem Hals verbissen und die Hauptschlagader durchtrennt. Als ihr Blut das Brennen in ihrer Kehle löschte, konnte sie sich ein erleichtertes Seufzen nicht verkneifen. Sie fühlte sich unglaublich gut, bis ihr eingefallen war, was sie gerade getan hatte… Voller Abscheu warf sie den Leichnam von sich und vermied es, in die Augen der Frau zu sehen, in denen nie wieder etwas außer einer grausamen Leere sein würde. Ihr neues Leben mochte eine neue Chance sein, doch hatte es auch einen Nachteil: Aus Alice war ein Monster geworden.

In den nächsten Jahren versuchte Alice, sich hauptsächlich von Tieren zu ernähren, was ihr aber nicht sonderlich gelang. Die regelmäßigen Höhepunkte ihres Lebens waren die Zeiten, an denen ihr der Vampir von ihrer Visionen erschien. Über die Zeit hinweg konnte Alice spüren, wie sehr sie sich an diese Visionen gewöhnte und sich auf sie freute. Als diese immer öfter kamen, erkannte sie, dass sie viel mehr als Neugier für ihn empfand, mehr als sie je gedacht hatte empfinden zu können. Das, was Alice für den unbekannten Vampir empfand, war eine helle, klare Liebe, die sich mit jedem Tag steigerte und sie in eine jahrelange Hochstimmung versetzte. Die Gedanken an ihn erhellten ihren Alltag und füllten ihre einsamen Stunden, waren immer bei ihr und schienen sie von allem bösen zu beschützen. Als sie schließlich die Vision von einem kleinen Lokal in Philadelphia im Jahre 1948 hatte, schien es, als wäre endlich das Ende ihrer langen Sehnsucht gekommen.
Als dieses Jahr anbrach, ließ sie sich in Philadelphia nieder und besuchte an jedem regnerischen Tag das Lokal, das der Platz werden würde, an dem sie ihre große Liebe treffen würde.
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BeitragThema: Re: Erste Begegnung Alice & Jasper    Di Apr 03, 2012 9:20 am

Die Wochen vergingen, einige schneller, einige langsamer, während Jasper darauf wartete, dass irgendetwas passieren würde. Doch was sollte schon im Leben eines Vampires passieren? Nach und nach verlor er den Glauben daran, dass sein Leben jemals einen Sinn bekommen würde, so wie es früher einen hatte. Natürlich war sein altes Leben nicht gerade gut, doch trotz allem hatte er sich wichtig gefühlt, gebraucht, nützlich.
Es war eine dunkle, kalte Nacht, doch der blonde Vampir spürte diese Kälte nicht. Seine Konzentration lag auf dem Brennen in seiner Kehle, welches danach schrie, gelöscht zu werden. Das Lichtermeer vor ihm, die Geräusche der Stadt, der Ort des Verbrechens. Chicago. Seit fünf Jahren zog Jasper nun schon allein durch Amerika. Damals befanden Charlotte, Peter und er sich an der Westküste, als er plötzlich den Entschluss fasste, allein weiter zu gehen. Es war das erste Mal seit achtzig Jahren gewesen, dass er allein war, physisch allein zumindest. Innerlich war er es schon länger, um genau zu sein ab dem Moment, an dem er es nicht mehr aushielt, seine Nahrung, wehrlose Menschen, auszusaugen und über die Angst und die Panik hinwegzusehen. Er spürte jede einzige Emotion, die diese Menschen durchlebten, für einen Vampir nicht gerade vorteilhaft. Er hatte versucht, es abzustellen, doch ihm fehlte die nötige Konzentration, sobald er Blut schmeckte. Der Versuch, gar kein Blut mehr zu trinken, war schon vor Jahren fehlgeschlagen
Mit übermenschlicher Geschwindigkeit schoss der Vampir aus seinem Versteck, denn nicht weit entfernt, in einer Gasse, hatte er die Stimmen zweier Menschen vernommen. Am Ende dieser Gasse blieb er stehen und sah in die Dunkelheit. Es kostete ihm keinerlei Anstrengung, das Geschehen am anderen Ende zu verfolgen, es handelte sich um einen Mann und eine Frau, beide in zerschlissener Kleidung, die an die Wand gelehnt da saßen. Jasper gab seine Sinne frei und sofort wurde das Brennen in seiner Kehle noch stärker, noch unerträglicher. Mit einem raubtierhaften Sprung stürzte er auf die Menschen zu und bevor die Frau überhaupt schreien konnte, hatte er seine Zähne auch schon in ihrem Hals vergraben. Der Mann neben ihr hatte nun angefangen, zu schreien, er zitterte vor Angst und Jasper spürte, wie sich alles auf ihn übertrug.
Es war ein ewiger Kreislauf, den er nicht stoppen konnte. Bevor der Mann noch unnötig viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, hatte Jasper ihn auch schon mit einer beiläufigen Bewegung zum Schweigen gebracht, endgültig. Auch aus der Frau wichen die letzten Züge des Lebens, das Blut spritzte nicht mehr aus ihrer Halsschlagader, sondern wurde immer weniger. Knurrend stürzte der Vampir sich nun auf den Mann, gierig, immer noch durstig und bedacht darauf, das Brennen in seiner Kehle zu unterbinden, auch wenn er wusste, dass es keine Möglichkeit gab, sondern nur eine Ausrede war, eine Lüge an sich selber, die er brauchte, um sich von seinem schlechten Gewissen zu erholen. Es lag in seiner Natur, sicher, doch zu wissen, wie die Menschen in solchen Momenten fühlten, zu spüren, wie groß ihre Panik war unterstützt von dem lauten Schlagen des Herzens, das alles machte Jasper’s Leben unerträglich. Er lebte friedlicher, seit er Maria verlassen hatte, er tötete weniger, er kämpfte nicht mit Vampiren und er erschaffte keine, da er das sowieso nicht schaffen würde. Sie wären tot, bevor er überhaupt wusste, wie ihm geschah.
Als er die leblosen Körper im Wald vergrub, machte sich plötzlich ein Gefühl in ihm breit, dass er nicht kannte. Erschrocken sah er sich um, blickte in alle Richtungen und konnte doch nichts erkennen. Doch er wusste, dass er gehen musste, jetzt.

Die Tage vergingen und Jasper schritt immer weiter zur Ostküste vor. Seit Tagen hatte er keinen Schluck Blut mehr zu sich genommen, seine Augen waren nun dunkel, beinahe schwarz. Langsam durchschritt er die leeren Straßen einer großen Stadt. Philadelphia, das wusste er von einer Gruppe Menschen, die er am Ende der Stadt getroffen hatte. Kurz hatte er mit dem Gedanken gespielt, sich hier und jetzt zu stärken, doch dann spürte er die Freude dieser Menschen, es überrollte ihn, wie eine riesige Welle, die alles mitriss, ihm sogar den Appetit verschlug und das Brennen in seiner Kehle ein wenig erleichterte.
Der Regen setzte heftig ein und vor allem plötzlich. Die sowieso schon leeren Straßen waren wie ausgestorben und nur vereinzelt lief ihm jemand über den Weg. Am Straßenrand saß eine kleine Katze, versteckt unter einem Holzbrett und sah ihn mit großen Augen an. Nicht nur auf Menschen wirkten Vampire abschreckend, nein, auch auf Tiere. Einige Jahre vorher hatte er versucht, auf ein Pferd zu steigen. Nicht, dass er es bräuchte, um sich fortzubewegen, einfach nur, um das Gefühl aufkommen zu lassen, ein Stück seines menschlichen Lebens zu haben, doch er bekam keine Chance. Das Pferd hatte sofort begonnen, mit den Hufen zu scharren und wild auszutreten, also hatte er sich auch das aus dem Kopf geschlagen.
Als vor ihm die Lichter einer Bar auftauchten, aus der laute Musik drang, wollte er schon kehrt machen, doch ein seltsamer, ihm unbekannter Drang zog ihn in genau diese Bar und bevor er überhaupt darüber nachgedacht hatte, auf was er sich einließ, hatte er auch schon die Tür geöffnet und die Bar betreten.
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BeitragThema: Re: Erste Begegnung Alice & Jasper    Mi Apr 04, 2012 3:56 am

Zugegeben, es war nicht einfach, an jedem Regentag die Bar aufzusuchen. Die Männer waren schon lange nicht mehr so Gentleman-like, wie sie es noch vor ein paar Jahren gewöhnt war, und darum schämten sie sich auch nicht, jede Frau anzubaggern, die sie sahen. Alice blieb davon größtenteils verschont – mochte es wegen ihrer mädchenhaften Statur oder der Tatsache sein, dass sie ein Vampir war und die Menschen in ihrem Herzen nicht so ignorant waren, wie sie sich gaben – aber wenn es doch einmal vorkam, war es höchst unangenehm. Menschenblut war nach wie vor eine große Versuchung für sie. Auch wenn sie schon seit längerer Zeit fast ausschließlich Tierblut zu sich nahm, kam sie nicht darüber hinweg, doch das würde sie höchstwahrscheinlich niemals. Dafür war das Aussaugen eines Menschen zu sehr in der Natur eines Vampirs verankert.
Der Barmann, ein älterer Herr, der für einen Menschen seiner Zeit sehr viel Anstand besaß, war zu ihrem besten Freund geworden. Immerhin war Philadelphia eine recht verregnete Stadt, und dementsprechend oft ließ sie sich in seiner Bar blicken. Der Hocker, ganz am rechten Ende der Theke, war ihr Stammplatz geworden. Er hielt ihn ihr frei und schob ihr das Glas Wein, das sie stets bestellte, immer mit einem Lächeln zu, wenn sie sich setzte. Obwohl er ein netter Mann war, war er ein Narr. Er schien keine Angst zu haben, was darauf schließen ließ, dass er keine gute Intuition hatte, was ihm in seinem Leben noch zum Verhängnis werden könnte. Bisher hatte er noch nicht viel mit ihr gesprochen – „Was wünschen Sie, Miss?“ und „Das macht sechs Dollar, Miss.“, waren bisher die Ausnahme gewesen – aber an diesem Abend warf er ihr einen skeptischen Blick zu, Alice ahnte das schlimmste, und der Mann begann zu sprechen. Seine dunkle, kratzige Stimme hatte nichts Melodisches an sich und war trotzdem beruhigend zu hören. „Ich möchte nicht unhöflich wirken, Miss“, fing er zögerlich an, „aber Sie sind hier schon wirklich sehr oft gewesen, und, ähm, ganz allein, ähm… Worauf ich hinaus will… Was tun sie hier, Miss?“ In seiner Stimme war ein sonderbarer Klang, es hatte fast etwas Großväterliches, was Alice lächeln ließ und sie dazu veranlasste, ihm die Wahrheit zu sagen. „Es mag ein bisschen unhöflich sein, aber ich beantworte Ihre Frage trotzdem gerne.“ Alice drehte das Weinglas in ihrer Hand einmal um die eigene Achse, fast wäre die Flüssigkeit auf den Boden getropft. Sie seufzte. „Ich warte auf jemanden, Sir, das ist es, was ich tue.“ Der Mann schien nicht im Geringsten befriedigt, und als er weitersprach, wurden seine Augen groß vor Neugier. „Ja, Miss, aber auf wen warten Sie? Wer würde Sie denn warten lassen? Ähm, verzeihen Sie…“ Alice schenkte dem Mann ein mildes Lächeln. „Das Schicksal, Sir, grausam wie es ist. Aber es wird sich lohnen, manchmal muss man geduldig sein…“, sinnierte sie und ließ ihren Blick wieder zur Tür schweifen, in der Hoffnung, dass der Barmann es so auffassen würde, wie sie es wollte: Dass sie das Gespräch lieber beenden wollte. Sie hatte Glück, der Mann grummelte etwas Unverständliches und sagte dann lauter: „Dann will ich für Sie hoffen, dass das Schicksal Ihnen hold ist, Miss.“ Und wandte sich ab. Alice lächeln verbreiterte sich. „Das ist es.“, flüsterte sie.
Alice hatte ein gutes Gefühl diese Nacht. Etwas war anders; die Sterne glitzerten heller, das Grün der Tannen schien dunkler und satter und die Menschen schienen glücklicher. Die Welt war ein bisschen besser geworden, zumindest für heute. Wieso dann nicht auch für sie? Mit neuem Enthusiasmus beflügelt nahm sie das Glas wieder in die Hand und kippte seinen Inhalt hinunter. Der bittere, volle Nachgeschmack des Weines ließ sie das Gesicht verziehen. Sie konnte sich nicht vorstellen, Wein jemals in ihrem Menschenleben gemocht zu haben, der einzige Grund, warum sie ihn hier immer bestellte, war, dass er wenigstens ansatzweise nach Blut aussah. Und eine kleine Gemeinsamkeit war besser als keine…
Alice schloss die Augen und stellte sich den geheimnisvollen Vampir noch einmal vor. Sie wusste nun schon ziemlich viel von ihm – zum Beispiel, dass sein Name Jasper war - und auch, wohin ihre gemeinsame Reise sie bringen würde. Die Cullens, angeführt von einem blonden Mann namens Carlisle Cullen, waren ein friedvoller Vampirclan, die nur das Blut von Tieren tranken. Die Cullens waren mehr als nur ungewöhnlich. Alice hatte ein paar Clans getroffen, aber nie waren sie so groß wie die Cullens. Sie waren eine Einheit, ein Team, eine Familie, von der Alice schon immer geträumt hatte. Alice liebte ihre baldige Familie jetzt schon. Der große, gefährlich aussehende Emmett war in Wahrheit ein lebensfroher, witziger Mann und seine wunderschöne, blonde Frau Rosalie war nur nach außen hin ein mieses Biest. Esme, Carlisles Frau, schien für alle die Mutterrolle zu spielen, und dann war da noch Edward, der sein Leben als Vampir hasste und eher mittelmäßig deprimiert als glücklich war. Das würde sich vielleicht ändern. Alice hatte ein gutes Gefühl bei der Sache – sie würden alle prima miteinander auskommen.
Dann ging dir Tür auf, Alice‘ Augen öffneten sich und für einen Moment erstarrte sie völlig. Hätte sie noch gelebt, hätte ihr Herz einen Sprung gemacht und dann doppelt so schnell weiter geschlagen. Als sie sein Gesicht erkannte, wurde ihr heiß und kalt zugleich. Die Augen, die in ihren Visionen rot und durchdringend gewesen waren, waren nun schwarz und hatten einen resignierten Schimmer. Seine Haltung war so akkurat, wie sie sie in ihren Visionen gesehen hatte, seine blonden Locken waren von dem Regen draußen geglättet worden. Alle Wörter, alle Sätze, die sich Alice zurechtgelegt hatte, waren aus ihrem Kopf geblasen. Sie wusste nicht mehr, was sie sagen sollte. Sie wusste nur, sie musste nur etwas tun. Darum stellte sie das Weinglas ab und sprang von dem Hocker, lief auf den Vampir zu, den sie so sehr liebte, und heute das erste Mal richtig sah.
Jasper schien darauf nicht vorbereitet, sein Blick schnellte zu ihr, und gerade als er in Verteidigungshaltung gehen wollte, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Nun blickte er verwirrt. Alice begann zu lächeln, als sie direkt vor ihm stand, und sah ihm direkt in die schwarzen Augen. Vergeblich suchte sie nach einem Satzfetzen, der sie hätte weiterbringen können, doch es fiel ihr keiner ein. Ihn richtig zu sehen, überwältigte sie. Er war so groß im Vergleich zu ihr. „Du hast mich lange warten lassen“, sagte sie plötzlich, ohne darüber nachgedacht zu haben. Sie erschrak, alles, was sie jetzt sagte, konnte ihre Zukunft verändern. Und sie wollte den Mann vor ihr nicht verlieren. Jetzt nicht, und für alle Zeiten auch nicht. Doch Jasper lief nicht weg. Er senkte nur seinen Kopf zu einer kleinen Verbeugung. „Tut mir Leid, Ma’am.“, sagte er leise. Seine Stimme ließ ihr Lächeln breiter werden. Tief und dunkel, doch so weich und einfühlsam, dass sie am liebsten geweint hätte. Doch stattdessen hielt sie ihm nur die Hand hin.

((( Oh Gott ich wollte diese Szene schon immer mal schreiben *losheul*
Ich hoffe, es ist nicht so schlimm, wenn ich jetzt gleich für dich den Satz mitgeschrieben habe... ♥)))
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